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 HILFE,
die
Kunden
kommen...!

Allmählich
wird es
peinlich,
Herr
Mehdorn!

Harte Bahn-Tour:
24 Pendler vom BGS
abgeführt
Einfach in ICE umsteigen geht nicht

HAMBURG. In einem Punkt ist auf die Bahn Verlass: Immer wieder gibt es einen Grund, sich über sie zu ärgern. Zwei Dutzend Pendler aus Nordrhein-Westfalen fühlen sich jedenfalls von ihr ausgesprochen schäbig behandelt. Weil ihre Regionalbahn nach Essen chronisch unpünktlich ist und sie deshalb regelmäßig zu spät zur Arbeit kamen, beschlossen sie kürzlich in Recklinghausen, einen ICE mit demselben Ziel zu besteigen. In Essen gab es dann eine böse Überraschung. Die Bahn ließ die aufgebrachten Pendler von Beamten des Bundesgrenzschutzes abführen und verhängte für jeden 42 Euro Strafe. "Man bat uns wie Schwerverbrecher behandelt, dabei sind wir nur in den ICE gestiegen, weil es bitterkalt war und wir endlich einmal halbwegs pünktlich zur Arbeit kommen wollten", zitiert die "Bild am Sonntag" einen Betroffenen. Seit dem Fahrplanwechsel sei die Regionalbahn nach Essen immer zwischen 15 und 20 Minuten verspätet. Der Schaffner habe die Zahlung des Differenzbetrags abgelehnt, weil er ihn nicht abrechnen konnte. Für die Bahn ist der Fall klar: "Es grenzt an moderne Freibeuterei, wenn Reisende einfach einen Zug besteigen, für den sie nicht bezahlt haben", sagte ein Sprecher. Fernzüge würden für Pendler nur bei bedeutenden Verspätungen im Nahverkehr freigegeben, dies entscheide aber allein die Bahn und nicht die Kundschaft. Die Bahn wolle aber jeden der 24 Einzelfälle überprüfen und dann entscheiden, ob sie Gnade vor Recht ergehen lasse. Eine "generelle Amnestie" werde es aber nicht geben.

aus: Neue Presse (Hannover), 27. Jan. 2003