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Wenn Züge an der Schranke halten
Lokführer muss aussteigen und prüfen, ob Gleise frei sind
Osterode (pid).Den Einwohnern von Osterode am Harz bietet sich seit einigen Wochen mehrmals täglich ein merkwürdiges Schauspiel. Sobald sich ein Personenzug der Deutschen Bahn AG auf der Nebenstrecke Seesen – Herzberg dem mit Halbschranken und Rotlicht gesicherten Bahnübergang am Osteroder Pferdeteich auf einige Meter genähert hat, stoppt die Lokomotive. Der Lokführer steigt aus, geht die letzten Meter bis zum Übergang zu Fuß und vergewissert sich durch einen Rundumblick, dass kein Auto oder Lastwagen die Gleise blockiert. Ist die Kontrolle zu seiner Zufriedenheit ausgefallen, geht er zurück, besteigt die Lok und fährt weiter. 

"Das passiert jeden Werktag 14-mal", sagt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Denn so viele Personenzüge passieren diese Stelle. Die Prozedur sei die Folge einer Anordnung des Eisenbahnbundesamtes. Ein Kontrolleur der staatlichen Behörde habe nämlich festgestellt, dass ein nahe gelegener Verkehrskreisel nicht den erforderlichen Abstand von 20 Metern zu dem Bahnübergang besitze, sondern nur etwa 17 Meter entfernt sei. Und in solchen Fällen sehe die Vorschrift nun einmal vor, dass sich die Lokführer auf die beschriebene Art und Weise von der Passierbarkeit des Bahnüberganges zu überzeugen haben.

Dass der Übergang, wie Augenzeugen bekunden, für die Lokführer auch aus dem Führerhaus problemlos einzusehen ist spielt keine Rolle. Vorschrift sei Vorschrift, sagt Ahlert. Die Frage, was die Kontrollgänge eigentlich bezwecken sollen, kann der Bahnsprecher nicht so recht beantworten. Was er aber weiß: Das Ganze führt regelmäßig zu Verspätungen. 

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 15.04.2000