4.September 2001
Neue Presse (Hannover): "Der ganz alltägliche Bahnsinn"
Hannoversche Allgemeine Zeitung: "Stellwerk über Stunden unbesetzt"

 

 

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.Abschriften

Neue Presse (4.9.01 - Seite 1)
Der ganz alltägliche Bahnsinn
Stellwerk unbesetzt, weil Mitarbeiter fehlt - Personalmangel
ICE3 schafft bei Messfahrt Tempo 368

    Wulften/Wolfsburg. Der Widerspruch konnte kaum größer sein: In Wolfsburg stellte die neue ICE-Generation auf einer Testfahrt mit Tempo 368 einen neuen Rekord auf. Doch zwischen Northeim und Nordhausen ging es am Samstag nur im Schneckentempo: 13 Regionalzüge mussten vor Schranken stoppen, weil ein Stellwerk nicht besetzt war - Personalmangel. Der ganz alltägliche Bahnsinn. Wegen dieser Stellwerkspanne in Wulften (Kreis Osterode) mussten zwischen 4.50Uhr und 9.45Uhr alle Züge vor drei Schranken anhalten. Die Zugführer stiegen aus, um sich zu überzeugen, dass der Übergang frei war. Betroffen waren laut Bahn 13 Züge. Folge 15-minütige Verspätungen. "Die Alternative wäre gewesen, die Züge ausfallen zu lassen", so Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns.
    Offenbar nicht die erste Personalpanne: In Osterode habe eine Fahrdienstleiterin 15 Stunden ohne Pause arbeiten müssen, so die Bahngewerkschaft Transnet.
    Das Paradepferd der Bahn ließ sich durch diese Bummelei nicht zügeln. ICE3 zischte gestern in nur 28 Minuten nach Rathenow - immer 120 Kilometer
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Abschriften

Neue Presse (4.9.01 - Seite 4)
Fallen Regionalzüge ins Personalloch?

Gewerkschaft: Fahrdienstleitermangel gefährdet Pünktlichkeit und Service

    Wulften. Fahrdienstleiter bei der Bahn haben einen verantwortungsvollen Job: Sie überwachen den Schienenverkehr, stellen Weichen und Signale.
    Sie sind für Lautsprecherdurchsagen auf (
    Red: an) den Gleisen zuständig. und gelegentlich müssen sie auch Schranken bedienen. Wenn sie im Dienst sind.
    Im Stellwerk Wulften (Kreis Osterode) wurde es eng am Samstag: Der Diensthabende war krank geworden, seine Vertretung vertrat schon an anderer Stelle. und der dritte Mann im Team - die letzte Möglichkeit - sei nicht zu erreichen gewesen, berichtet Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohns. "Eine ungklückliche Konstellation, die so nicht vorauszusehen war."
    Daran hat die Bahngewerkschaft Transnet Zweifel: "Wir haben in der Region Südniedersachsen ein Personalloch", sagt der Bevollmächtigte Wolfgang Hemme. Überstunden, Vertretungen und Dienstverschiebungen seien an der Tagesordnung. Zehn Mitarbeiter seien langfristig krank. Drei Kollegen hätten wegen der Arbeitsumstände gekündigt. Die Stellen seien nicht wieder besetzt worden. Wegen des Personalmangels sei auch das Stellwerk in Northeim seit Wochen unterbesetzt. Darunter litten die Pünktlichkeit der Züge und der Service am Bahnsteig.
    Verkehrsministerin Susanne Knorre (parteilos) hatte gerstern bei der Vorstellung der Konjunkturprognose zwar versichert, ihr Nahverkehrsprogramm zu beschleunigen. In Sachen Personalmangel hielt sie sich jedoch nicht zuständig. Auch Regierungschef Sigmar Gabriel (SPD) lehnte einen Kommentar ab.

.Abschriften

Hannoversche Allgemeine Zeitung: (4.9.01 - Seite 5)
Stellwerk über Stunden unbesetzt

    Osterode. Aus Personalmangel hat die Deutsche Bahn ihr Stellwerk in Wulften (Kreis Osterode) an der Südharzstrecke Northeim - Nordhausen am Wochenende stundenlang unbesetzt gelassen. Die Lokführer hätten deshalb vor jedem Bahnübergang halten und sicherstellen müssen, dass die Züge gefahrlos weiterfahren konnten, bestätigte Bahnsprecher Hans-Jürgen Frohn am Montag. Nach Angaben der Eisenbahnergewerkschaft Transnet war dies kein Einzelfall. Sie wirft der Bahn Missmanagment im Bereich Fahrdienstleitung vor. In Stellwerken sei es in den vergangenen Wochen öfter zu Personalengpässen gekommen!